29
Apr
2017

Schwangerschaftsbemerknisse #1

So ist das also, dachte sie am ersten Samstag morgen, den sie seitdem sie wusste dass sie schwanger war in Ruhe zu Hause verbrachte. Ohne Familienbesuch, ohne lange Autofahrten, ohne morgendlichen Wecker. So ist das also, wenn man endlich mal ein wenig zur Ruhe kommen kann. Alles sacken lassen kann, die Überraschung des positiven Tests, die körperlichen Veränderungen, die Reaktionen der Umwelt, das jetzt schon beginnende Fremdbestimmungsgefühl. Sie hatte eigentlich noch etwas warten wollen, es sowohl der Familie als auch im Büro zu sagen, auch weil es noch so früh war - aber sie wäre sowieso aufgeflogen. Das hat man davon wenn man so eine Saufnase ist, dachte sie, dann wissen alle sofort Bescheid wenn man auf einmal nichts mehr trinkt. Und Essgewohnheiten werden in so einem kleinen Büro wie ihrem auch stets genau beobachtet...

Die überwältigende Freude, den Herzschlag des winzigen Wesens in ihrem Bauch auf dem Ultraschall zu sehen. Ein kleiner weißer Fleck, der wie wild pulsiert.

Die sich verdichtende Wahrnehmung, natürlich in erster Linie in Bezug auf Gerüche - aber auch sonst schien es ihr, als würden alle ihre Sinne trotz des permanenten Schleiers aus Müdigkeit und leichter Übelkeit doppelt so viel registrieren wie sonst. Wenigstens schien ihr Hirn auch auf Hochtouren zu arbeiten, was ihr erlaubte ihr Arbeitspensum in den Stunden, in denen sie nicht den Wunsch verspürte sich einfach auf den Büroboden zu legen und zu schlafen zu bewältigen. In gewisser Weise erwies sich der so gewonnene Zugewinn an Effizienz sogar als Vorteil.

Das Gefühl des Urvertrauens und der Stärke, das sich unmittelbar einstellte. Die Liebe zum Gefährten, die nochmal um eine Dimension bereichert wurde. Schön, dachte sie, dass mir das keine Angst einjagt, dass wir nun noch enger zusammenwachsen. Und ihm anscheinend auch nicht, dachte sie schmunzelnd und rief sich vor ihr inneres Auge zurück, wie er sich über das Ultraschallbild gefreut hat, das sie mitgebracht hatte und das er seitdem immer bei sich trug.

So ist das alles also, dachte sie versonnen, als sie an ihrem Ingwertee nippte. Mal sehen, wie das weitergeht.
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Ursa Major

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